Bunte Blühstreifen mit heimischen Wildblumen können über Einsaat-Mischungen mit zertifiziertem Regio-Saatgut, durch Mahdgut- oder Druschgutübertragung, sowie durch Auspflanzungen angelegt werden. Das zertifizierte Regio-Saatgut sorgt dafür, dass Saatgut aus der Region für die Region eingesetzt wird. Damit werden die regionalen Pflanzenarten in ihrem Kampf ums Überleben in unserer Kulturlandschaft unterstützt. Sie haben sich über die Jahrhunderte an die klimatischen und standörtlichen Gegebenheiten in Norddeutschland angepasst. Sie blicken also auf eine gemeinsame Evolution zurück. Auch unterscheiden sie sich genetisch von ihren Art-Schwestern zum Beispiel aus Süddeutschland.

Im Siedlungsbereich können natürlich auch Saatgutmischungen mit Pflanzen aus aller Welt ausgebracht werden. Sie sind für zahlreiche Insekten wie Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge sehr attraktiv. Außerdem stellen sie so manche heimische Wildpflanze mit ihrer Blühpracht in den Schatten. Dennoch ist es wichtig unseren heimischen Wildpflanzen nach jahrzehntelanger Vertreibung von den Wiesen und Weiden neue Freiräume in unseren Gärten und Parkanlagen zu geben. Auch sollen sie auf Dauer wieder einen festen Platz auf unseren Wiesen und Weiden bekommen, so dass sie sich von dort aus wieder ausbreiten können. Sie bieten der enormen Vielfalt heimischer Insekten einen reich gedeckten Tisch.

Blühwiese oder Wildblumensaum?

Wiesenblumen haben sich über die Jahrhunderte an eine Nutzung durch Beweidung und Mahd angepasst, Saumpflanzen wachsen dagegen an Weg- und Waldrändern usw., die in der Regel keiner Nutzung unterliegen. Hier kommen dann auch mahdempfindliche Pflanzen vor, wie zum Beispiel die Königskerze.

Wiesenmischungen bieten sich daher für Rasenflächen an, die ein- bis zweimal im Jahr, also im Sommer und im Herbst gemäht werden können und daher auch niedrigwüchsige Arten enthalten. Saummischungen brauchen dagegen erst nach der Blütezeit im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr gemäht zu werden, wobei mit mähen immer eine Mahd mit Abfuhr des Mahdguts gemeint ist und kein Mulchen.

Woher bekomme ich Wildblumensaat?

Zertifiziertes regionales Wildblumen-Saatgut wird von den beiden Regio-Saatgut-Großhändlern Rieger-Hofmann und Saaten-Zeller und deren jeweiligen Vertragshändlern angeboten. Ausführliche Informationen erhalten sie über die Saatgut-Kataloge dieser Firmen. Bitte beachten Sie, dass beide Firmen in ihren Katalogen nicht nur Regio-Saatgut anbieten, sondern auch Blühmischungen für den Siedlungsbereich und die Landwirtschaft, für die keine regionalen Arten verwendet werden müssen und in denen auch Kulturarten enthalten sein können. Wir empfehlen aber sich für den botanischen Artenschutz auf die heimischen Arten zu beschränken.

In der Arche-Gärtnerei Eggebek des Projektes BlütenMeer 2020 werden derzeit weitere heimische Wildpflanzen vermehrt, die derzeit noch nicht im Handel erhältlich sind. Ziel ist es ab April  2020 dieses Saatgut für Naturschutzprojekte und noch artenreichere Blühwiesen und Wildblumensäume anbieten zu können.

Wildblumenwiese:

Neu-Anlage von artenreichem extensiv genutztem Dauergrünland auf Ackerböden oder zur Narben-Erneuerung auf artenarmen Grünland-Standorten für Heuwerbung und extensiver Weidenutzung:
Hier empfehlen wir eine Mischung aus Wildgräsern und Wildkräutern bei einem Mischungsanteil von 70% Gräsern und 30% Kräutern. In den Saatgutkatalogen finden Sie die Mischungen mit den enthaltenen Artenlisten unten wie folgt:

Bei Saaten-Zeller: http://www.saaten-zeller.de/regiosaatgut#Mischungen

Hier wird eine artenreiche Grundmischung angeboten, die aber auch für besonders trockene oder feuchte Standorte modifiziert werden kann. Die Herkunftsregionen werden hier Ursprungsgebiete (UG 1 und UG 3) genannt und können über eine Karte einfach bestimmt werden.

Bei Rieger-Hofmannhttps://www.rieger-hofmann.de/index.php?id=157 ist eine vergleichbare Mischung erhältlich. Im Katalog unter 02 Frischwiese/Fettwiese erhältlich.

Hier werden an Stelle von Herkunftsregionen größere Produktionsräume angeführt. Für Flächen in der Marsch und Geest soll auf Saatgut des Produktionsraumes P1 zurückgegriffen werden, für das östliche Hügelland auf P2. Es ist daher sinnvoll auch hier noch mal auf die gewünschte Herkunftsregion 1 oder 3 zu verweisen. Eine noch etwas artenreichere Mischung ist die Katalognummer 01 Blumenwiese, die einen höheren Kräuteranteil von 50% hat.
https://www.rieger-hofmann.de/index.php?id=158

Bitte beachten Sie bei der Bestellung von Saatgut die Herkunftsregion für die Sie das Saatgut bestellen möchten. Für Schleswig-Holstein sind das die Herkunftsregion 1: Nordwestdeutsches Tiefland mit der Marsch und der Geest, sowie die Herkunftsregion 3 (Nordostdeutsches Tiefland) mit dem Östlichen Hügelland. Für den Bereich Lauenburg gibt es auch noch die Herkunftsregion 4 mit dem Ostdeutschen Tiefland.

Wildblumensaum:

Anlage von Blühstreifen aus mehrjährigen Arten entlang von Wegen und Saumstrukturen wie Hecken und Mauern. Hier kann durch Fräsen als Bodenvorbereitung ein ein- bis zwei Meter breiter Streifen mit mehrjährigen Blütenpflanzen angelegt werden, darunter können auch mahd- und weideempfindlichere Arten wie Königskerze, Braunwurz, Wegwarte sein, die für nektarsaugende Insekten besonders interessant sind. Der Kräuteranteil ist entsprechend höher bei 90% und 10% niedrigwüchsiger Gräser

Rieger-Hofmann: 08 den Schmetterlings- und Wildbienensaum mit 90% Kräutern https://www.rieger-hofmann.de/index.php?id=164

Saaten-Zeller:
http://www.saaten-zeller.de/regiosaatgut#Mischungen

weist für die Herkunftsregionen jeweils eine eigene Saummischung aus unter dem Mischungstyp Feldrain und Saum

Was ist bei der Einsaat zu beachten?

Eine gute Saatbettvorbereitung ist schon der halbe Weg zum Erfolg. Der Boden kann durch eine Umkehrfräse oder andere Arten der Bodenbearbeitung für die Einsaat vorbereitet werden. Flächen mit einer Vorvegetation von Quecke, Giersch, Brennnessel oder anderen konkurrenzstarken Arten schmälern die Erfolgsaussichten einer erfolgreichen Etablierung der Wildpflanzenmischungen. Eine Pflanze, die sich erst aus einem Samenkorn entwickeln muss, braucht mehr Zeit, als eine schon am Standort etablierte Pflanze mit gutem Wurzelsystem. Daher sind nicht zu nährstoffreiche offene Bodenflächen für die Etablierung aus Saat wichtig.

Da die meisten Kräuter Lichtkeimer sind, muss die Saat oberflächig abgelegt und danach angewalzt werden für einen guten Samen-Boden-Kontakt – Schlitzsaatverfahren sind ungeeignet.

Zum Schutz alter Dauergrünlandflächen sollte vor einem Narbenumbruch erst einmal geschaut werden, welche Arten schon vorhanden sind. Wenn schon ein guter Teil der Arten der hier empfohlenen Kräuter des artenreichen mesophilen Grünlandes in der Fläche enthalten ist, sollte von einem Narbenumbruch abgesehen werden.

Pflege der Blühwiesen und Blühsäume

Blühwiese: Eine erste Mahd ist gut zu dem Zeitpunkt, an dem die Wiesen-Margerite zu verblühen beginnt (früher Beginn der Heuernte ca. Anfang Juli). Dann erfolgt in der Regel zwei Wochen später eine Nachblüte. Wenn man nun die Insekten berücksichtigt, kann man versetzt mähen, so dass eine Teilfläche zwei Wochen später gemäht wird, um so immer genug Blühangebot zu haben. Im Sinne der Heuwerbung und Grünlanderhaltung fallen beim Trocknungsprozess die Samen der kurzlebigen Arten (z.B. Wicken, Klappertopf) aus, so dass eine Trocknung des Mahdguts vor Ort auch aus diesem Grunde sinnvoll ist. Das Heu muss dann abgefahren werden. Für eine verwertbare Heuwerbung ist natürlich die Witterung ein entscheidender Faktor. Wenn die Mahd unterbleibt, kommt es zu vermehrter Streubildung, die konkurrenzkräftigeren Arten setzen sich durch, einjährige Arten verschwinden und Brachezeiger und Gehölze können Fuß fassen. Längerfristig kommt es in der Regel zu einer starken Abnahme der Artenvielfalt und des Blühangebotes.

Blühsäume: Blühsäume können sowohl im Spätherbst nach Blühende und Aussamen der meisten Arten gemäht werden, als auch erst im Frühjahr – je nach Witterung Ende März/Anfang April. Wenn die abgestorbenen Pflanzen am Stängel überwintern, bieten diese einigen Insekten und Spinnentieren trockene Überwinterungsmöglichkeiten. Auch hier ist eine Mahd mit Abfuhr des Mahdguts wichtig, um den konkurrenzschwächeren Arten in den Blühmischungen am Beginn der Hauptwachstumsperiode ab Ende April genug Licht zu bieten.

Ansprechpartner

Christian Dolnik, Projektleitung
Tel. : 0431 210 90 412
E-Mail: christian.dolnik@stiftungsland.de

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