Warum gibt es das Projekt?

Früher gehörten sie zum Landschaftsbild Schleswig-Holsteins wie das Meer: die wildbunten Blumenwiesen. Arnika, Heide-Nelke, Margerite, Flockenblume, Klappertopf, Tausendgüldenkraut, Thymian und viele andere finden wir heute nur noch in winzigen Ecken des Landes. Das will die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit dem Projekt „BlütenMeer 2020“ ändern. Bis zum Jahr 2020 will das Projektteam den seltenen heimischen Wildpflanzen wieder ein Zuhause bei uns geben. Denn artenreiche Grün- und Offenlandlebensräume beherbergen in Schleswig-Holstein über 265 Pflanzenarten. Sie sind Lebensraum von vielen Pflanzen- und Tierarten in unserer alten Kulturlandschaft. Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen und andere Insekten fliegen auf die bunten Blüten. Diese summenden Herumtreiber sind wiederum ein Leckerbissen für Zauneidechse, Vogel und Frosch. Und sie alle zusammen leisten einen wichtigen Gesangsbeitrag zur „Melodie der Erde“, zur Biodiversität. Verstummt eine Stimme im intakten Ökosystem mit Pflanzen, Vögeln, Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilien, Säugetieren und vielen anderen, merkt das niemand, verstummen mehrere Stimmen, nimmt das erst mal nur der Dirigent wahr. Aber je mehr Stimmen verstummen, desto schrecklicher klingt die wundervolle und einzigartige Melodie der Erde.

Allerdings sind allein in Schleswig-Holstein in den vergangenen 20 Jahren über 17.000 Hektar arten- und blütenreiche Grünlandlebensräume verschwunden. Der Grund dafür ist in erster Linie die Intensivierung der Landnutzung. Alte Wiesen und Weiden mit wertvollen Wildgräsern und Wildkräutern wurden mittels Grünlandumbruch und Neuansaat durch artenarmes Grünland ersetzt. Statt der bunten Vielfalt finden wir dort jetzt einheitlich-grüne, gezüchtete, eiweißhaltige Hochleistungsgräser. Auch die teilweise starke Düngung und der Einsatz von sogenannten Pflanzenschutzmitteln haben den Wildpflanzen zugesetzt. Sie wurden größtenteils verdrängt.

Die wenigen übrig gebliebenen bunt-blühenden, wilden Wiesen, Weiden, Magerrasen und Heiden in Schleswig-Holstein sind voneinander isoliert. Von allein schaffen es die früher einmal heimischen Wildpflanzen nicht zurück auf die wenig intensive genutzten Flächen. Deshalb bekommen Arnika, Küchenschelle, Heidenelke und ihre wilden Verwandten professionelle Hilfe vom „BlütenMeer 2020“. Das siebenköpfige Team um Projektleiter Dr. Christian Dolnik greift diesen Kostbarkeiten der Natur gezielt unter die Arme. Auf über 2.500 Hektar verarmter Grün- und Offenlandflächen außerhalb von Schutzgebieten sollen sie wieder ein Zuhause finden – hier bei uns im nördlichsten Bundesland.

Was macht das Projekt?

Mit dem Projekt „BlütenMeer 2020“ bringt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein wieder Vielfalt ins Land und sorgt dafür, dass die Wildpflanzen-Noten, die ein unverzichtbarer Bestandteil der „Melodie der Erde“ sind, erhalten bleiben und mehr noch: zurückkehren. „Wir heben den Blütenschatz“, heißt das Motto des Projekts. Die Blüten-Vermehrer haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, diese wildbunten Blumenwiesen zurück zu bringen. Denn: sie gehören wie die Strände und die Moore zu dem Land zwischen den Meeren.

Das „BlütenMeer 2020“ verfolgt dabei unterschiedliche Ansätze gleichzeitig: in der projekteigenen Arche Gärtnerei im Archepark in Eggebek wird unter der Leitung von Wiebke Busch, die Vermehrung bedrohter Wildpflanzenarten mit schleswig-holsteinischen Wurzeln organisiert. Das reicht vom Wildsamen-Sammeln in geschützten Gebieten über die Vermehrung und Auspflanzung bis hin zur Selbst-Ernte der seltenen Samen in der Mutterpflanzenkultur bei Tüdal, dem kleinen BlütenMeer 2020.

Außerdem werden zur Wiederherstellung dieser bunten Blüh-Vielfalt alte und neue Methoden erfolgreich miteinander kombiniert. Im vergangenen Jahr hat die „BlütenMeer 2020“-Mannschaft landesweit über 95 Maßnahmen auf über 64 Hektar bearbeitet und erfolgreich zurück verwandelt in wildbunte Blumenwiesen mit heimischen Blütenschätzen. Dabei wurden 60.000 Wildpflanzen erfolgreich in die schleswig-holsteinische Erde gebracht und wilde Wiesen und Weiden aufgewertet. Die Mahdgutübertragung, also die Ausbringung von frisch-abgemähten, reifen Samen der seltenen Wildpflanzen auf geeignete, und vom Team optimal vorbereitete Flächen, ist nur eine von vielen absolut erfolgsversprechenden Maßnahmen.
 
Viel Erfahrung trifft hier auf innovative Ideen. Zusammen mit verschiedenen Partnern baut das „BlütenMeer 2020“-Team der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein so ein Netzwerk für blütenbunte Wildwiesen und –weiden auf und macht Schleswig-Holstein wieder bunter.

Ansprechpartner

Christian Dolnik, Projektleitung
Tel. : 0431 210 90 412
E-Mail: christian.dolnik@stiftungsland.de

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